Der steinige Weg vom Passivbahner zum Aktivbahner

  • Ich nähere ich langsam dem Kern der Modellbahn - die Bahn - an, und falls dabei mal was Sinnvolles entsteht, werde ich es hier mitteilen. Heute geht es jedoch erst einmal um die Dokumentation eines (vorläufigen) Scheiterns. Vielleicht kann jedoch jemand die auf dem Wege entstandenen Zwischenprodukte irgendwie verwenden, und dann hätte es sich ja gelohnt.

    Das hier ist meine halbfertige Interpretation der BB7200 der SNCF:

    Bei dem Versuch, ihr Handläufe aus 0.5mm-Draht zu verpassen, habe ich dann geschafft, das Gehäuse zu zerstören.

    Da nun meine Motivation vollkommen gestorben ist, sie fertigzubauen, stelle ich das Projekt (zumindest vorläufig) ein und stelle die dabei entstandenen Dateien hier zum Download bereit. Macht damit, was ihr wollt, vielleicht nutzen sie ja jemandem.

    bb7200.zip

    Dazu muss ich erst einmal erzählen, wie es überhaupt dazu kam, dass ich eine Lok begonnen habe, die ich weder will noch brauche. 2021 sprach mich auf einem Treffen, auf dem ich ein paar meiner selbstgebastelten Autos mithatte, jemand an, der sich mal ganz unverbindlich erkundigte, ob ich denn auch Lokgehäuse machen könne. Ich habe das ganz grundsätzlich bejaht, erklärt, dass das aber nur ein Hobby von mir ist, ich nichts Kommerzielles mache und natürlich viele Informationen inklusive guter Zeichnungen zum Original bräuchte. Geld wollte ich keins, allerdings hat die Person mir angeboten, mir einen Wunsch zu erfüllen: Ich habe meine Lieblingslok, die DR-252/DBAG/MEG-156 noch nie live gesehen, und diese Person behauptete, das möglich machen zu können, da er gute Kontakte zur MEG hätte. Zuvor hatte ich immer erst im Nachhinein erfahren, wenn eine der vier Loks auf einer Ausstellung war, und die MEG hatte mir nicht geantwortet, als ich per Mail mal anfragte, wo man eine der Loks vielleicht mal fotografieren könnte. Dann passierte erst einmal eine Weile nichts, bis irgendwann die Frage kam, wie weit wohl die Lok wäre. Da war ich ein bisschen erstaunt, denn ich hatte ja noch keine Unterlagen dazu. Na gut, sagte der Interessent, Unterlagen bringe ich dir zum nächsten Treffen mit. Das war dann 2022. Die Unterlagen waren allerdings sehr schlecht, denn während die Person von guten Kontakten zur SNCF erzählte, waren das ganz klar nur Ausdrucke von irgendwelchen Webseiten, die ca. 15 Meter der Lok waren in einem Seitenriss auf nur 600 Pixel verteilt, Frontansicht und Draufsicht waren noch schlechter aufgelöst. Ich habe mich dann auch nicht besonders beeilt (wie gesagt: Nur Hobby, schlechte Unterlagen, kein eigenes Interesse an der Lok) Schon wenige Wochen nach Übergabe der ausgedruckten Webseiten begann es dann, dass ca. einmal pro Woche nachgefragt wurde, wie weit die Lok wohl sei. Also habe ich mir einen Ruck gegeben, mir selbst so viele Fotos wie möglich im Netz zusammengesucht, inklusive einiger Fotos vom Bau der Originale, und im März 2023 hatte ich dann die Teile fertig. Da überhaupt nicht klar war, was untendrunter kommen soll, und der Interessent auch nie durchblicken ließ, dass er irgendwo ein maßstäbliches Fahrwerk bauen lässt, habe ich Drehgestellblenden und ein Teil, das anscheinend Lokkasten und Drehgestelle miteinander verbindet, weggelassen. Frank (ehemals Leichter Pazifik) war so freundlich, das Gehäuse zu drucken. Der erste Druck hatte noch leichte Mängel, war aber sehr gut detailiert. (Beim typischen Knick in der Nase waren die Kräfte auf der Z-Achse wohl zu hoch, weshalb der Kasten jetzt unter den Seitenfenstern auch einen kleinen - immerhin symmetrischen - Knick hatte, und das Gehäuse wölbte sich nach dem Entfernen der Stützen nach außen) Frank hat dann noch weitere Drucke gemacht, um das zu optimieren, aber da es mir nur darum ging, ob man aus diesen Drucken eine fahrfertige Lok hinbekommt und ich auch nicht mehr viel investieren wollte, habe ich das erste Gehäuse genommen, ihm die Lackierung der SNCF-TER in Epoche 6 verpasst und bei einem Fahrwerk des Piko Taurus die Enden abgesägt, damit es unter den Lokkasten passt. Der Drehzapfenabstand und der Radstand sind nicht korrekt, aber nahe dran, und ich wollte wirklich nicht mehr viel ausgeben für die Lok, die ich eigentlich nicht brauche. 2023 habe ich dann die halbfertige Lok zu einem Treffen mitgenommen. Den Dachgarten hatte ich weitgehend bestückt, es fehlte noch die Verkabelung auf dem Dach, und die restlichen Anbauteile fehlten auch, Fenster waren noch nicht gemacht, und Decals hatte ich zwar erstellt, aber noch nicht aufgebracht. Auf dem Treffen erzählte er dann, wir hätten eine Lok gemacht. (Wie gesagt: Sein Beitrag bestand darin, sich die Lok zu wünschen und Seiten aus dem WWW auszudrucken.) Außerdem beanspruchte er das Copyright an der Lok, da die Zeichnungen ja von ihm gekommen sein. Allgemeines Augenrollen bei den Anwesenden. Nach dem Treffen kamen in immer häufigerer Folge Fragen, wann die Lok endlich fertig sei. (Noch einmal zur Erinnerung: Es gab keinen Auftrag, und wir standen auch nicht in irgendeiner Geschäftsbeziehung) Da ist mir dann der Kragen geplatzt, und ich habe den Kontakt abgebrochen. Nun hatte ich aber eine halbfertige Lok, die überhaupt nicht zu meinen gekauften Loks passt, und ich habe auch nicht die Absicht je was mit SNCF zu machen. Ich wüsste auch niemanden sonst, der das braucht, denn wer SNCF machen will, greift wohl zu H0 oder N, wo es gleich mehrere Großserienmodelle dieser Lok gibt. Um mich zu motivieren, doch noch was fertigzubekommen, habe ich mir dann noch zwei nicht ganz passende SNCF-Wagen gekauft, und dann schlug gestern das Schicksal zu: Nachdem ich die sechzehn Löcher für die Handläufe gebohrt hatte, ging der erste aus Draht gebogene Handlauf noch gut rein. Beim zweiten Handlauf übte ich gar nicht einmal so viel Druck aus, und dennoch zerbrach das Gehäuse.

    Nun also Ihr. Wer Lust hat, kann sich die Teile herunterladen. Disclaimer: Die Lok sieht nur ungefähr und zufällig dem Original ähnlich, da mir, wie schon geschrieben, gute Zeichnungen fehlten. Man kann mit dem gleichen Gehäuse auch eine BB15000 oder eine BB22200 bauen, aber da sieht der Dachgarten vermutlich anders aus. Im kleineren Kreis hatte ich schon einmal die digitale Ansicht gezeigt, und da kam der Wunsch auf, die NS-Variante zu bauen. Dafür müsste ich aber das Gehäuse überarbeiten, da die niederländische Lok ein anderes "Gesicht" hat.

    So, hier noch die digitale Zeichnung der Lok, einmal komplett, und dann die Teile, die als Druckdateien vorliegen, nämlich Gehäuse, Isolatoren, Puffer, Dachwiderstand und Luftbehälter.


    Und hier noch ein paar Baubilder.

    Und dann hat noch ein Freund, der mit Modellbahn nichts am Hut hat, aber einen Prusa-Filamentdrucker hat, das Gehäuse auf drei verschiedene Weisen in PLA gedruckt. Da gibt es zwar keinen Bauch, dafür hapert es eben an den Details.

    Beste Grüße
    Jörg

    PS: Die 156er habe ich immer noch nicht live gesehen.

  • Grundsätzlich schon, aber vielleicht druckt mir Frank ja auch nochmal eins. Das Problem ist eher, dass mit dem Gehäuse meine ohnehin schon schwache Motivation bezüglich dieser Lok angeknackst wurde.

  • Ohje Jörg,

    Da hat es Dich ganz schön gebeutelt.

    Ich kann Deinen Frust gut nachvollziehen, wenn einem ein Gehäuse zerbröselt.

    Aber Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist. Und was den Gefallen für den Kollegen an geht, denke ich bist Du geheilt.

    Kopf frei für neue Projekte. Dazu drücke ich Dir die Daumen.


    Grüße Bernd

    Grüsse aus dem Keltendorf
    Bernd

  • Ja schade um die bisher geleistete Arbeit.😢

    Als Tipp, ich hätte nur 0,2er maximal 0,3er Draht genommen. 0,5 sieht sehr massiv aus. Aber ob es dann nicht gebrochen wäre🤷🏻‍♂️

    Grüße Bernd

  • Ich habe gerade mal Handlauf gegooglet. Eine Firma, die Handläufe für Treppen herstellt, empfiehlt 45 bis 50 mm Durchmesser. Das wird doch bei Aufstiegen an Lokomotiven nicht anders sein? Das wären maßstäbliche 0.4 mm, und da sind 0.5 doch schon recht dicht dran.

    Kennt jemand die genauen Maße?

    Beste Grüße

    Jörg

  • Arkaden scheinen aufgrund der Initiative von Auhagen gerade ein Thema zu sein. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Thema, habe mir ein ganzes Stück Arkade selbst gedruckt. Das Ganze habe ich als Stecksystem ausgeführt, jedes Bogensegment besteht aus der Front, der Festen Fahrbahn á la Berlin und zwei Stützen. Nach hinten bleibt das offen (der Teil soll dann an der Wand stehen), die Teile werden noch ordentlich ausgerichtet und verklebt. Ich habe seit einiger Zeit nach einer Lösung gesucht, die Front zu verklinkern, die Mauerwerksfolie von Auhagen gefiel mir nicht so recht, da Schnittkanten nicht wie Mauerfugen aussehen, die Ziegel sich am oberen Ende der gebräuchlichen Größe bewegen und das Ganze mir auch zu hell und glänzend aussieht. Jetzt habe ich den Sprung gewagt und 18.000 Juweela-Ziegel bestellt. Das wird dann mein Langzeitpuzzle (wenn das Ergebnis im Probestück gefällt). Die Fläche vor der Hochbahn soll eher gewerblich gefüllt werden, Inspiration ist ein Abschnitt an der Holzmarktstraße, wo es mal eine Autovermietung, ein Autohaus und ein BSR-Gelände gab. Bei mir soll's ein Betriebshof für Busse, die Stadtreinigung und eine Spedition werden.

    So, und hier mal der Anfang:

    Beste Grüße

    Jörg

  • Und die Moral von der Geschicht:

    Fremdarbeiten halten dich nur von dem eigenen Vorhaben ab.

    Da bin ich inzwischen auch geheilt, wenn ich nicht selbst was damit anfangen kann, lasse ich es.


    Und die Rechte an den Dateien gehören demjenigen, welcher sie erstellt.

    Der "Andere" ist/war höchstens der Tip(p)geber