Hallö!
Bevor Piko die nächste Nummer startet, heute war wohl die Präsentation der 91.3-18, will ich mich mal um die (für mich relevante) letzte Neuerscheinung kümmern:
Die Baureihe 62 ist mit 15 ausgelieferten Loks eigentlich kein Musthave, es sei denn, man ist warum auch immer angefixt. Für mich ist die BR62 die schönste Dampflok überhaupt.
Die Modellausführung ist in ihren Details mal wieder ein echter Knaller geworden. So viele freistehende Leitungen und angesetzte Details, ein durchbrochener Barrenrahmen, beweglicher Schmierpumpenantrieb, Sandfallrohre bis runter zum Schienenkopf..., es gibt schon was auf's Auge. Warum aber Neubauzylinder mit genietetem Wasserkasten kombiniert wurden, was es so nur bei der 015 gab, weiß allein Piko. Vielleicht erklärt sich dieses noch, z.B. mit einem Modell der 62 015...
Und worum muß man sich nun kümmern? Nun, es gibt da einen Punkt, auf anderen Dächern haben die Spatzen bereits gepfiffen: Der Antrieb hat Schwächen. Nach meinem Eindruck sind Pikos verwendete Motoren öfter nicht die allerbesten. Bei der BR 62 hat Piko eine besonders unglückliche Konstruktion gewählt. Also nicht falsch verstehen, "Schrott" ist es definitiv nicht. Wenn man sich das hier ansieht:
Das ist schon eine sehr pfiffige Konstruktion, die Lok lässt sich sehr gut zerlegen. Das größte Hindernis ist, den Kessel vorn zwischen den Windleitblechen herauszufädeln. Der Motor steckt im Kessel, der Getriebeturm verläuft durch den Stehkessel, 2 Zahnräder sind im oberen Motorträger angeordnet, ein Zahnrad und das Antriebsritzel im unteren Rahmenteil. Elektrische Verbindungen von unten nach oben werden über Federkontaktstifte realisiert. Im Wasserkasten liegt die Hauptplatine, mit serienmäßigem Pufferspeicher. Dazu dann die Lichtspielerchen, für Führerstand, Feuerbüchse und Fahrwerk. Im vorderen Kessel-Ballastgewicht gibt es ein Lautsprecherfach, fertig verdrahtet. Auch unter der Haube ist echt was los. Von solcher Serienausstattung konnte der TTler vor ein paar Jahren noch nur träumen. Dahingehend bin ich echt auf Pikos heutige Neupräsentation gespannt, eine Lok von ganz anderer Wichtigkeit.
Zurück zum Problem: Piko hat hier einen Antrieb konstruiert, der zu sehr aufdringlichen Geräuschen neigt - Kreischen. Die eine Lok mehr, die andere vielleicht garnicht.
Ich habe die Konstruktion seziert, klemmt es irgendwo, fehlt die Schmierung? Ja, teilweise fehlt die Schmierung, und richtig leichtgängig ist der Antrieb auch nicht. Aber so richtig die Lösung war das nicht. Im Nachhinein habe ich folgenden Eindruck gewonnen, daß sich der Motor besonders leicht zu Resonanzen anregen lässt. D.h. die Ankerwelle fängt an, beim Drehen in Längsrichtung zu schwingen, und das erzeugt das Kreischen (bekannt noch von den "juten alten" Rechteckmotoren). Und zum Schwingen kommte es durch die Belastung des Antriebes, z.B. ratternde Zahnräder (Grate an den Seiten), ein klemmendes Triebwerk, die Zuglast. Ob es für dieses Verhalten nur eine Ursache gibt, oder ob es eine Kombination verschiedener Umstände ist, ließe sich wohl nur durch wissenschaftliche Untersuchungen herausfinden. Oder man tauscht ein wesentliches Element der Antriebskette, den Motor, aus. Ohnehin frage ich mich, warum Piko nicht gleich die inzwischen ja wirklich nicht mehr viel teueren Glockenankermotoren verwendet, bei all dem Aufwand?
Also ein Glockenankermotor soll es sein. Der Umbau ist eigentlich garnicht so schwierig, man sollte halt mit Ruhe und Bedacht zu Werke gehen.
Der Originalmotor hat etwa 10mm Durchmesser, und ist oben/unten abgeflacht. Das Fach des Motorträgers lässt knapp 9mm Platz. Ich habe mir im Fachhandel einen Glockenankermotor 0816 mit ca. 13.000U/min Nenndrehzahl besorgt, dazu eine Schnecke Modul 0,4 und ein Adapterröhrchen, um von Moterwelle außen 1,0 auf Schnecke innen 1,5mm zu kommen. Das zweite Wellenende des Motors wird abgeflext (ich habe mir ein paar Motoren auf Halde gelegt, wo man nicht weiß, ob 2 Wellenenden gebraucht werden). Zum Verbinden von Motorwelle, Röhrchen und Schnecke wird Schraubensicherung (bspw. Loctite) verwendet.
Dann werden Röhrchen und Schnecke probegelegt, und wenn alles passt wird noch einmal montiert, diesmal mit Schraubensicherung. Vorsicht, die Schraubensicherung darf auf keinen Fall ins Motorlager gelangen! Eine Schwungscheibe ginge sicher auch zu installieren, mit zweitem Wellenende. Aber im Digitalbetrieb, bei ja serienmäßig vorhandener Pufferspeicherung, ist die Schwungmasse m.M.n. unnötig. Ich fülle den Platz lieber mit Blei.
Nach dem Abbinden der Schraubensicherung muß der Motor im Motorträger positioniert werden, möglichst passend mit der Schnecke über dem Schneckenrad.
Ich verwende hier gerne ein Messing-U-Profil als Positionierhilfe, das Messingprofil ließe sich auch verschrauben (dadurch lösbar) - hier ging das durch die Motorträgerform nicht. Man kann aber auch eine (Kunststoff-) Platte nehmen. Und bearbeitet diesen Träger nun langsam mit der Feile, bis der Motor richtig sitzt. Die Schnecke sollte mit wenig Spiel genau über dem Schneckenrad sitzen. Hier sieht man, sperrt der obere Motorträgerhälfte noch etwas, diese muß etwas ausgefräst werden bis alles sauber passt.
Man sollte sich für die Positionierung Zeit und Ruhe nehmen, hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Auch die Schnecke braucht genug Spielraum, ich habe hier eine altbrauchbare mit 4,5mm Außendurchmesser verwendet, die etwas mehr Platz im Gehäuse braucht um keine Geräusche zumachen. Die 4mm-Schnecke aus den Programmen von Ronnie Roske und Micromotors hätte weniger Arbeit gemacht.
Wenn alles gut passt, können Motorträger, Motorauflage und Motor verklebt werden. Als Sicherheit für das Mindestspiel zwischen Schnecke und Schneckenrad habe ich ein 0,2mm-Drähtchen (passende Ader aus einer Litze) um die Schnecke gewickelt. Verklebung mit 2K-Kleber oder auch ganz profan mit Sekundenkleber. Wenn sich nach dem Aushärten herausstellen sollte, daß es doch nicht so sauber gepasst hat, lassen sich die Verklebungen sicherlich noch einmal auseinader hebeln.
Noch die Motorlitzen anlöten und die Lok sollte wieder fahrfähig sein. Nun ohne Geräusche, wenn es alles geklappt hat. Und mit deutlich niedrigerer Anfahrgeschwindigkeit.
Aber der neue Motor ist kleiner und leichter als der alte. Und es bleibt viel Luft im Motorträger, wo doch jedes Triebfahrzeug ganz wesentlich von der Traktion, also dem Gewicht lebt.
Und das Auffüllen der Luftlöcher ist nun die eigentliche Arbeit, der vordere Teil des Motorträgers geht da noch.
Auch seitlich wird der Motor mit Blei eingekleidet, links und rechts zwei Stück 1mm-Dachdeckerblei selbstklebend.
Den hinteren Teil des Motorträgers mit Blei zufüllen war schon recht fummelig. Mein Ehrgeiz ist es, möglichst viel Blei unterzubekommen. Der Kessel verjüngt sich innen etwas, und so muß immer wieder gefeilt, geguckt und gefummelt werden, bis der bleigefüllte Träger endlich sauber in den Kessel passt. Am Ende, mit ebenfalls bleigefülltem Lautsprecherfach, wiegt meine Lok nun 185g - ich glaube etwa 20g mehr als serienmäßig.
Soviel zur Technik, nun noch etwas Lametta:
(Nicht an der Loknummer stören, das war ein Irrtum.) Seht euch doch mal die Lüftungsklappen im Führerhausdach an
. Ich hatte ja gesagt, genietete Wasserkästen sind bäh, ab etwa 1960 bekamen alle Reichsbahnloks neue geschweißte Wasserkästen (Ausnahme ist die 015). Auch bekamen die Loks in den 60ern neue geschweißte Zylinder, baugleich mit denen der 01.5. Der Wasserkasten muß also entnietet werden. Dann fehlt dem Modell der so charakteristische dreiteilige Kohlenkastendeckel, der meist auf dem Führerhausdach "aufgerollt" lag. Und manche Lok hatte Variationen an Kohlenkastenaufsätzen, wie z.B. die 014. Entstanden sind diese Teile aus Ätzblechresten.
So, und wie das so ist, waren es nun 2 Tage vor dem Modultreffen. Noch lackieren, Endmontage, Kleinkram. Und eine Alterung hatte ich auch versprochen.
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Ganz fertig geworden ist die Lok nicht, aber sie ist schon einsatzfähig. Die eine Griffstange fehlt nach wie vor, schon aus der Verpackung heraus. Alterung obenrum fehlt, wie das Lokpersonal und auch die Wasserkastenbeschriftung. Ist alles in Arbeit. Und auf dem Modultreffen in Hohen Luckow hat sie so (erstmal) in einem sehr würdigem Umfeld unauffällig ihren Dienst getan.
Es standen etwa 5-6 Loks zur Verfügung, 3 waren ständig im Einsatz und wurden immer wieder durchgetauscht. 3 Loks sind nach dem Treffen mit Motorgeräusch nicht mehr einsatzfähig (2 weitere Loks, soweit ich weiß, sind deswegen garnicht zum Einsatz gelangt). Die Ausfallquote ist schon wahrnehmbar
.
Meine Lok lief über die Treffensdistanz unauffällig. Die Geschwindigkeit ist mit dem verwendeten Motor absolut ausreichend. In einer Betriebspause habe ich einen Belastungstest gemacht, mit 2 DGB57-Einheiten (Fünfteiler) mit Gepäck- und Bistrowagen (32 Achsen) war bei bei meiner Lok, wie auch bei einer serienmäßigen, keine Anstrengung wahrnehmbar (im Modulbetrieb sind großzügige Radien und kaum Steigungen üblich). Diese Zuglast sollte dem Vorbild angemessen sein, irgendwann gucke ich aber nochmal, wo die Grenze liegt.
Zugbegegnung im Endbahnhof Randemünde, kurz vor der Kaikante.
Ein Mitspieler hat seine DB13-Einheit mit aufgesetzten Lampen und Schlußsignalen mit Klappblenden versehen. Im Hintergund sperrt das Fährschiff seinen Schlund auf, und es erscheinen oder verschwinden teils prominete Fahrzeuge. Die 62 dagegen macht nur Vorortverkehr, hin und her, und hin und her, und hin... Dieses Treffen war echt eine gelungene Kulisse für diese Loks.