TTe-Modulbau Kunofelde

Ich habe im Sommer 2021 damit begonnen, für das Info-Heft der ARGE Schmalspur Beiträge über den Bau der TTe-Module "Kunofelde" und andere Module zu verfassen, die ich hier im Blog einer größeren Leserschaft zur Kenntnis geben möchte. Hier kommt erst einmal der Teil aus Heft 04/2021:


TTe-Modulbau – Teil 1 - oder was lange währt, wird gut?



Ich trug mich schon lange vor dem Jahr 2000 mit dem Gedanken an eine TTe-Modellbahnanlage. Aber irgendwie hat mich bei der Teilnahme an TT-Modultreffen der Modulbazillus erwischt und ich spielte gedanklich die Planung und den Bau von TTe-Modulen durch. Einen ersten Bahnhof-Plan skizzierte ich blauäugig (Bild 1). Hinzu kam die Überlegung, dass bei den Modulisten nicht nur der Bahnhof zählt, sondern auch Strecke. Eine weitere Überlegung von mir war im Anfangsstadium, dass ich meine Module im sächsischen Mittelgebirge ansiedeln, also mindestens tiefe Felseinschnitte mit einbeziehen wollte.


Von diesen Überlegungen her ging es an die Planung und den Bau der Modulkästen. Zwei Segmente von je 80 cm Länge max. 50 cm Breite stellten das Bahnhofsmodul dar. Zwei Kurvenmodule mit einem Winkel von je 45° sollten Streckenmodule werden. Die 45° je Modul hatte ich mir gedacht als 90°-Gesamtkurve oder als verschwenktes „S“. Die Ränder der Kurvenmodule erhielten an den Längsseiten Erhöhungen von 15 cm, damit eine ordentliche Felslandschaft wie im Rabenauer-Grund modelliert werden konnte. Und das war mein erster gedanklicher Fehler, nicht der Letzte eines blutigen Anfängers beim Modulbau. Ein erfahrener Modulist erkannte nämlich, dass ich bei dieser Art Gestaltung zwar einen genormten Gleisübergang hätte, wohl aber landschaftlich an keines der anderen Kopfstücke andocken könnte. Also kam ich in der Not auf die sogenannte Käseecke als ein Übergangsmodul von 30 cm Länge, wo ich meine Felslandschaft auf normales Niveau herunterbrechen konnte.


Parallel dazu begann ich mit der Materialsammlung von Gleisen, Weichen und Fahrzeugen. Im Mai 2012 bis März 2013 traf es mich dann aber hart, indem meine Eltern und meine beiden jüngeren Geschwister an schweren Krankheiten verstarben. Von da an ruhte mein Modellbau, ich konnte einfach nicht mehr Hand anlegen an die Module.


In meinem Umfeld war das bekannt und man nahm auf diese Befindlichkeit Rücksicht. Einer ließ aber nicht locker. Uwe Zillmann bohrte seit 2019 immer wieder nach, wann ich denn mal an meinen Modulen weiterbauen würde. 2020 im Sommer hatte er mich endlich soweit und wir gingen meine Ursprungsplanung mit den bis dahin erkannten Mängeln durch und veränderten den Ursprungs-Plan. Es würde zu weit führen, die Planungs- und Änderungsstadien hier darzustellen, aber ich verrate kein Geheimnis, dass Uwe insgesamt mehr als 20 Varianten mit dem Programm Wintrack zeichnete und visualisierte, bevor wir uns einigten. Mein Credo war nämlich nicht die akribische Nachbildung eines Vorbildes, sondern für mich stand der interessante Fahr- und Rangierbetrieb im Vordergrund. So entstand aus dem Vorbild Carlsfeld der Bahnhof Kunofelde. Carlsfeld ist aber nicht zuletzt wegen der darauf entstehenden Gebäude und dem annähernd vorbildlichen Gleisplan noch zu erkennen. Uwe und ich sind da zum Schluss doch noch beiderseits Kompromisse eingegangen.


Die Entwicklung des Gleisplans von Bild 1 zu Bild 2 stellt das sicher eindrücklich dar. Ein weiterer Grund für Kompromisse stellte sich bei dem geplanten Felseinschnitt dar, wo ich mich nach langer Diskussion mit Uwe auch zu einer Veränderung hin zu einer Hanggestaltung der Kurvenmodule überzeugen ließ (Bild 3 und Bild 4). Schließlich brauchten wir die 30 cm lange Käseecke auch nicht mehr und schufen stattdessen ein 80 cm langes Modul mit Bachlauf und Brücke als Bahnhofseinfahrt (Bild 5). Der Bahnhof hat eine Segmentscheibe der Firma Hapo statt einer Weiche erhalten. Dieses technische Bauwerk ist im Grunde als einziges vom Ursprungsplan übrig geblieben.


Uwe tat dann noch ein übriges und verpflichtete sich zum Gleisbau und der Landschaftsgestaltung von Kunofelde sowie der Elektroarbeiten. Elektrisch hat er das Ganze so konzipiert, dass wir sowohl analog vermittels Heisswolf-Regler (dadurch besteht Kompatibilität zu Martin Hanischs Modulen) als auch digital fahren können. Die Weichen und Gleisabschnitte werden immer digital über ein Tablet auf der Basis einer Digitalzentrale DR5000 (digikeijs) (Bild 7) geschaltet.


Hier noch die Bilder, die im Beitrag aufgeführt sind:

Bild 1 – mein ursprünglicher Plan



Bild 2 – letzter Planungsstand, nach dem Kunofelde gebaut wird



Bild 3 – visualisierte Kurvenmodule (rechts) und Bahnhof (links)



Bild 4 – Rohbau des Bahnhofssegmentes und der beiden 45°-Kurvenmodule noch mit hohen Seitenwänden


Bild 5 – Segmentdrehscheibe, jetzt mit zweigleisiger Zufahrt


Bild 6 - fast fertiges Modul mit Bahnhofseinfahrt




Bild 7 - Tablet mit Gleisplanbildstellwerk der Z21-App für Kunofelde




In einem zweiten Teil werde ich über die weiteren Fortschritte der Arbeiten an Kunofelde und über die technischen Lösungen beim Fahrzeugeinsatz bis hin zum Entkuppeln berichten.

Kommentare 1

  • Hallo Ihr Zwei,

    ich musste erst kurz überlegen, ob ich etwas schreibe, aber Eure Herangehensweise kommt mir sehr bekannt vor.

    Ich bin bei uns im Verein der Ideengeber und orientiere mich immer gerne sehr nah am Vorbild (z.B. Franzburger Kreisbahn, Altmark).

    Dann wird im Verein diskutiert. Besonders von unseren Betriebseisenbahnern werden dann alle Möglichkeiten diskutiert und es werden Kompromisse gesucht.

    Sehr entscheidend ist bei uns die Tatsache, dass es Ausstellungsanlagen werden sollen. Damit verbunden ist, dass ständig Betrieb möglich sein muss und die Anlage muss ohne große Einweisung von möglichst vielen bedient werden können.

    Unser gemeinsames Credo lautet deshalb: nach dem Vorbild von .... .

    Das führt auch nachträglich noch zu Anpassungsarbeiten, die hart diskutiert werden. Bisher gab es aber immer eine Lösung.

    Ich bin auch dazu übergegangen, Endbahnhöfe mit der Möglichkeit der Nutzung als Durchgangsbahnhof zu projektieren. Einfach das Gleis bis zur Anlagenkante verlängert, Lokschuppen (Bahnhof Klausdorf der FKB) oder Zaun (Bahnhof Werben/Elbe, wo es sowieso zum Hafen ging) drauf, und fertig. Fällt niemanden auf und wir haben Möglichkeiten für später.

    Nun zu TTe.

    Das Ihr auch analog fahren könnt, begüße ich außerordentlich. Wir hatten auf Ausstellungen sowohl mit Martin als auch mit Robert von der Wittower Fähre gesprochen, und so könnten theoretisch alle miteinander verbunden werden.

    Den Kupplungssalat haben wir ja auch schon fast gelöst. Das Robert seine Eigene entwickelt hat, liegt einfach an seinen Fähigkeiten, da komme ich nicht ran.

    Wir arbeiten bei uns immer mit Segmenten, die auch einen "genormten" Übergang haben. Theoretisch haben wir dadurch verschiedene Aufbauvarianten, aber irgendwie scheint es doch nur ein Optimum zu geben.

    Als Flachlandeisenbahner haben wir es dabei natürlich deutlich leichter.

    In diesem Sinne viel Spaß und Erfolg mit Euren Anlagen!

    Viele Grüße

    Volker.